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Tugend

Tugend - das Gute tun 

Ehrw. M v St,  Würdige und geliebte Brr alle: Ich möchte euch mit meinem Vortrag an das Thema Tugend heranführen, euch an meinen diesbezüglichen Gedankengängen teilhaben lassen. Ich werde zunächst den Begriff der Tugend erläutern, in der Folge möchte ich einige der grossen Tugenden beleuchten und im letzten Teil möchte ich in einer Art Synthese Gedanken als Folge dieser Einzelbetrachtungen weitergeben. Zum Begriff Tugend: Seine Herkunft liegt im Taugen im Sinne einer allgemeinen Tauglichkeit, lat. virtus. versteht man eine Fähigkeit und innere Haltung, das Gute mit innerer Neigung (d. h. leicht und mit Freude) zu tun. Im allgemeineren Kontext bezeichnet man mit Tugend den Besitz einer positiven Eigenschaft. Nun sollen ja Freimaurer sich besonders durch Tugendhaftigkeit auszeichnen, wir schreiben zumindest die Entwicklung dieser Gutmensch-Kennzeichen auf unsere Fahne.  Mit der Entwicklung der Tugenden bewegt sich der Mensch nicht allein auf der Ebene seines physischen Körpers. Er bewegt sich zudem über den Bereich der Charakterschulung und dem Einnehmen von Haltungen und Überzeugungen hinaus hin zum Ansinnen ein veredelter Mensch zu werden. Die Anthroposophen verorten das sich mit diesen Dingen beschäftigen bei der Seele. Sie sehen den Menschen als Charakterträger, welcher sich mit seinen Leidenschaften, Antrieben und Gefühlen in diesen schwierigen Prozess begibt.  Beim Stöbern in allerlei Literatur bin ich auf die unterschiedlichsten Quellen gestossen. Unter anderem auf kreative Tugendsammlungen. Von vier Kardinalstugenden und drei theologischen Tugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung) war z.B. die Rede. 4+3=7, das Ganze ausgeschmückt mit tollem kabbalistischem Brimborium. Nichts gegen alle diese Vordenker. Doch diese Sichtweise berührt nicht zwingend unsere Herzen. Ich möchte mit meinem Bauriss nicht den Beweis antreten, wie viel Wissen über bereits Gedachtes ich wiedergeben kann. Es bedeutet mir nichts, im Anschluss an den Vortrag zu hören, welche Philosophen der alten und der neuen Zeit ich zu zitieren vermag. Es ist nicht wichtig, ob meine Gedanken viele Anleihen bei Aristoteles, Japsers, Hegel oder Sartre machen. Diese Dinge kann man lesen, studieren, und bei redlichem Bemühen sogar verstehen. Meine Absicht ist es, das Nachdenken über die eigene Persönlichkeit anzuregen. Meine Maxime ist, dass der Mensch immer wieder aus seiner Komfortzone herauszuführen ist, damit er über sein eigenes Wesen nachdenkt. Wenn es mir gelingt, dass es euch da und dort etwas unbehaglich wird, ohne gleich in grundlegende Selbstzweifel zu fallen, ist meine Zeichnung gelungen. Tugenden: Zum einen können wir uns fragen, welche Tugenden denn als besonders wertvoll und erstrebenswert gelten sollen. Zum andern müssen wir uns überlegen wie wir diese Tugenden im Einzelnen erlernen können.  In neuerer Zeit hat sich ein Bereich der Psychologie, die positive Psychologie unter anderem mit dieser Frage auseinandergesetzt. Ist doch dieser Forschungszweig vor allem bestrebt Phänomene wie z.B. das Glück zu erforschen.Martin E.P. Seligman, Professor für Psychologie, bekannt aus der Depressionsforschung (erlernte Hilflosigkeit) hat sich dabei u.a. mit dem Begriff Tugend befasst.Ein Forschungsprojekt, welches er aufführt basiert auf dem Studium von insgesamt 200 Tugend-Katalogen. Dazu gehören grosse religiöse und philosophische Schriften. Alle diese Traditionen - verteilt über 3000 Jahre und die gesamte Erdoberfläche - unterstützen sechs Tugenden. Sechs Tugenden, welche losgelöst von Kultur, jenseits aller trennenden Momente der Menschengruppen überall in erstaunlicher Übereinstimmung auftauchen. Es sind dies:  Weisheit und WissenMutLiebe und HumanitätGerechtigkeitMässigungSpiritualität und Transzendenz  Weisheit und WissenWas bedeutet mir Weisheit und Wissen? Es ist eine Liebe, die ich entwickeln kann, eine Philo - sophie, (eine Liebe zur Weisheit). Die Wissbegierigkeit, das innere Streben, Zusammenhänge, Einzelheiten, Funktionen von Dingen, Begebenheiten, Phänomenen ergründen zu wollen. Sich mit Freude den scheinbar einfachsten Erscheinungen auf den Grund gehen zu wollen. Sich als Philosophe auch einmal physikalischen Gesetzen widmen etc. Was ist Magnetismus, Gravitation, warum dreht sich die Erde, und warum so und nicht anders rum? oder warum brennt eine Kerze? Diese Fragen bewegen und nicht ruhen, bis sich Antworten finden. Manchmal finden sich nur neue Fragen; auch gut.Als Vorgesetzter von Schulleitern und Lehrpersonen ist es mir ein Anliegen, immer wieder zu überprüfen, ob und inwieweit meine Angestellten dieses feu sacré in sich tragen und bereit und fähig sind, diesen Wissensdurst und die Freude am Erkennen neuer Zusammenhänge zu ergründen und zu vermitteln.Ich erachte es für mein Leben als tugendhaft, staunend bleiben zu dürfen und Interesse und Freude an neuen Erkenntnissen aller Art gewinnen zu dürfen. Und doch, dann und wann ergebe ich mich in Denkfaulheit, habe vorübergehend genug von Grübelei und Studium. Die Psychologie lehrt uns, dass gerade in Zeiten von Schlaf, Musse und Erholung unser Hirn Gelerntes verfestigt, neue Synapsen gebildet werden, unser Wissen sich gewissermassen in der Untätigkeit vermehrt. Das ist tröstlich.   MutMit dem Mut ist es so eine Sache. Er ist geprägt von Vorstellungen darüber, was mutiges Denken und Handeln ist. Er wird unter Aspekten der Selbstlosigkeit betrachtet. Die Bereitschaft, über eigene Befürchtungen und Ängste einem Vorhaben gegenüber hinauszusteigen und etwas wagen, dessen Ausgang ungewiss ist. Der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser in die FM z.B. gehört dazu. In einer Situation Mut zu zeigen, muss sich nicht zwingend auf etwas tatsächlich Gefährliches beziehen. Vor einer gefährlichen Situation keine Angst zu haben, wird gelegentlich ebenfalls als Mut bezeichnet, obwohl dies auch ein Zeichen von Naivität sein kann. Das Gefahrenpotential wird gar nicht erkannt.  Ähnliches wie "Mut" umschreiben die Wörter Kühnheit, Bravour und Courage (insbesondere als Zivilcourage).Tapferkeit betont gegenüber dem Mut eher die Charakterstärke, unter widrigen Umständen auszuharren. Zur Tugend des Mutes zähle ich auch die Ermutigung, das Mut machen (durch förderliches Zureden.Wir Männer erzählen gerne von unseren mutigen Taten, heldenhaftem Verhalten, Militärerlebnissen, riskanten Gebirgstouren, gefahrvolle Reisen in exotische Länder. Ganz nebenbei sei erwähnt, dass dies ein wesentlicher Teil unserer kürzeren Lebenserwartung gegenüber den Frauen ist. Unser Hang zur Selbstzerstörung ist unübersehbar. Mut hat ein Gegenüber: Zaghaftigkeit, oder moralisch noch absprechender, Feigheit ("innerer Schweinehund"). Darüber berichten wir nur ungern. Sollten wir unseren Frauen Seitensprünge beichten, den Kollegen oder noch schlimmer den Vorgesetzten am Arbeitsplatz auf seine unsauberen Geschäfte hinweisen, den Bruder im hier im Bunde mit seinem eigenartigen Verhalten konfrontieren, ihm den Spiegel der Selbsterkenntnis vorhalten. Und so weiter. Dann, wenn unser Gewissen uns zu solchen Taten auffordert wird es still in uns. Da verlässt uns oft der Mut, und wir zweifeln an uns selbst, kämpfen und geben manchmal auch auf.  Dann wiederum gelingen uns kleine Erfolge, können wir uns über mutige, gewagte Taten freuen. Manchmal handeln wir tugendhaft, grossmütig, übermütig und können uns ruhig einmal auf die Schultern klopfen ohne in Hochmut zu verfallen.  Liebe und HumanitätGebote der Liebe und Nächstenliebe tauchen in allen Kulturen auf. Liebe als dieses einem anderen Wesen zugetan sein in einer Art, welche die eigenen Bedürfnisse zurückstellt. Sie kann sich äussern in tätiger Zuwendung zu einem Gegenüber, in einer Partnerschaft kann sie darüber hinaus als innere Verbundenheit oder Zugehörigkeit gedeutet werden. Liebe ist wohl der am meisten umschriebene und umworbene Begriff der Dichter. Es ist wohl die Tugend, die uns am  tiefsten zu berühren versteht. Sie enthält alle Elemente grösster Verunsicherung. Sie ist leicht und flüchtig, ist nicht zu haben, flieht jeder Form von Besitztum. Deshalb tun wir uns schwer mit ihr. Wir nehmen gerne die schönen Gefühle, die sie in uns auszubreiten vermag, geben uns ihr gerne hin. Liebe kann wachsen, sie kann aber auch über Routine zum Alltag werden, sie wird allzu oft durch unsern Eigensinn überschattet. Schliesslich habe ich mich mit meiner Partnerin oder meinem Mitbruder jetzt sehr lange in Toleranz geübt, jetzt sollte sie dann langsam verstehen wies richtig ist, bzw. sie oder er sollte doch endlich einsehen, dass ich im Recht bin. Gelingt es uns in diesem Leben Spuren der Liebe und Humanität zu hinterlassen? Spricht man nach unserem Ableben noch von uns als liebevolle, grossmütige Menschen? Sind wir Menschen, die für ihre Uneigennützigkeit bekannt sind? GerechtigkeitIch gelange nun zu Justitia, dieser Hüterin der Gerechtigkeit, die gerne mit der Waage abgebildet wird. Mit Rechtsgrundsätzen beschreiben wir in unserer Gesellschaft Handlungsnormen. Wir sind stolz darauf in einem Land zu leben, welches seit geraumer Zeit sozialen Frieden pflegt, in dem der grösste Teil der Menschen sich an Recht und Ordnung hält. Doch wie halten wir es selbst mit den feinen Auslegungen von Recht und Unrecht? Wo neige ich dazu, das Recht ein klein wenig zu meinen Gunsten zu verbiegen? In der blauen Zone parkieren und dabei die Parkscheibe ein bisschen falsch einstellen. Soll ich der Verkäuferin im Laden sagen, dass sie vergessen hat, den zweiten Karton Wein zu tippen? Ist doch selber schuld, wenn sie's nicht merkt?Und wie halten wir Männer es mit dem Potenzersatz Auto? Zu schnell fahren? Nun die Gesetze sind ja auch nicht immer so eindeutig, ein Heer von Juristen verdient gutes Geld mit der Auslegung der Paragrafen und mit der Vertretung von Mandanten in solchen Fragen.Alle nehmen wir es gelegentlich nicht so ganz genau mit diesen Regeln, verstossen gegen sie. Sind wir deswegen tugendlos bzw. untadelig? Ich denke das Mass an Selbstreflexion und Einsicht über diesen Dingen ist entscheidend und die damit verbundene Toleranz. Der Splitter im Auge meines Bruders ist dann nicht mehr so relevant, wenn ich mich zunächst um den Balken in meinem Auge kümmere.   MässigungDas richtige Mass in allen Dingen scheint ja in der Freimaurerei von zentraler Bedeutung zu sein.Nun sind es einmal mehr wir Männer, die dazu neigen an unserer Masslosigkeit unterzugehen. Rauchen, Alkohol, Frauen, Essen, Arbeit, Sport,  in allen Lebenslagen neigen wir dazu, die richtige Dosierung zu verfehlen und am einen oder anderen Unmässigkeit zu leiden zu kommen.Wir können aber genauso gut in den Bereich der Selbstkasteiung, Askese, "sich nichts Gönnen-Modus" verfallen. Wir können uns selbst in diesen Dingen erheben und andere glauben machen, wir hätten den Stein der Weisen verschluckt, darin profilieren wir uns gern. Vielleicht haben wir das, aber der Brocken liegt uns folge dessen schwer im Magen. Gerade dann haben wir das richtige Mass ebenso verpasst. In den Dingen das richtige Mass zu suchen ist die Lebenskunst. Die richtigen Vorbilder auszumachen und ihnen nacheifern kann ein Weg sein. Sind wir einander diese Vorbilder? Wenigstens in einigen Lebensbereichen? Wichtig erscheint mir die innere Bereitschaft dazu. Eine Bereitschaft, die sich idealerweise nicht erst einstellt, wenn uns das Wasser schon bis zum Halse steht.Eine östliche Weisheit im Daoismus lehrt uns: "Ist der Schüler bereit, ist der Meister schon da." Mässigung macht Sinn für mich. Liebe ich das Leben werde ich mich hüten zu viel zu rauchen, mich vorschnell zu ärgern, werde ich mich zwingen mich mehr zu bewegen, etwas weniger zu essen etc. Spiritualität und TranszendenzSeit jeher sucht der Mensch nach den Zusammenhängen hinter den sichtbaren Dingen, forscht er nach dem was da zwischen Himmel und Erde noch mehr sein soll, oder nach dem was die Welt im Innersten zusammenhält. Nirgendwo gehen die Ansichten, Definitionen nahtlos über in Glaubenskriege und Unmenschlichkeit. Sich diesen letzten Fragen des Seins, dem Göttlichen hinzuwenden ist möglich in unablässiger Suche, mit Forscherdrang und stetem Zweifel oder in dankbarer Übernahme vorgedachter Religionssysteme. Im Grunde können beide Wege sinnstiftend wirken. Alle Weltreligionen, alle spirituellen, esoterischen und sonst wie sich mit den letzten Fragen beschäftigenden Einrichtungen zielen letztlich auf Erklärungsversuche für das Unerklärliche, möchten uns an das grosse Unbekannte heranführen. Gelingt es mir, mich diesen Fragen zu nähern, darin Sinn zu finden. Mich zu fragen, was es mit dem sogenannten Leben nach dem Tode auf sich hat? Glaube ich einer Heilsversprechung, einem christlichen oder hinduistischen Jenseitsbild? Werden wir wiedergeboren, wenn ja in welcher Art?Wie muss ich mir das vorstellen? Sind die neusten Erkenntnisse der Nahtodforscher richtig und von Belang? Danach soll uns nach dem Tode die Ewigkeit empfangen. Ist Ewigkeit zeitlos wie uns schon Einstein lehrt? Was ist wenn es dann keine Zeit mehr gibt. Es definitiv kein davor und kein danach, keine Geschichtlichkeit mehr gibt? Unser Ich aufhört zu existieren und unsere Seele als die gesammelten Erfahrungen unseres Daseins sich im Alleinen Gottes auflösen? Überlege ich mir wie das sein wird, wenn es mich so gar nicht mehr gibt und diese Essenz meines Lebens irgendwie in unendlicher Göttlichkeit aufgelöst wird. Oder ist mir das alles zu kompliziert, bemühe ich lieber ein islamisches Jenseits mit Jungfrauen und Schlaraffenland, einen christlichen Himmel. Oder baue ich mir lieber ein eigenes Bild? Ich nähere mich diesem Thema gerne fragend. Wie Sokrates einst fragen, fragen und noch einmal fragen. Ich scheue nicht den Zustand des Faust zu durchleben und mich als so klug wie zuvor zu erleben. Immer wieder ereilen mich Zweifel, haben die Agnostiker Recht, ist alles vorbei und bin ich lediglich hier um Spuren zu hinterlassen? Wenn ja macht auch das Sinn. Spiritualität als Beschäftigung mit dem Jenseitigen? Was daran soll wertvoll sein für das Diesseitige? Die Hinwendung zu diesen Gedanken und Welten ermöglicht uns ein Verständnis unseres Lebens als das eines Bausteins. Sie ordnet unser Selbstbild, rückt es ins rechte Licht. Was trage ich dazu bei ein Baustein am Tempel der Humanität zu sein, ein wertvolles Element am gesamten Erlösungswerk der Menschheit?  Gibt es eine Synthese? Gibt es einen Überblick? Wichtig erscheint mir, dass die einzelnen Tugenden in vielen alltäglichen Situationen erst Sinn machen, wenn sie im Verbund auftreten. In einer gewissen Allgegenwart dieser Dinge bewusst werden, sich immer wieder diesen Fragen zuwenden, sie nicht einfach übergehen, wenn sie uns begegnen.  Es gibt kein Mut ohne dass dabei Aspekte der Liebe und der Gerechtigkeit mitspielen. Wissen wollen ist eine Liebe zu den Dingen. Den einzelnen Tugenden sind Stärken zugeordnet, wie z.B. der Tugend Weisheit und Wissen die Stärken: Neugier/Interesse für die Welt, Lernfreude, Urleilskraft/kritisches Denken/Offenheit, Kreativität/Originalität, soziale/emotionale Intelligenz und Weitblick. Mit den Stärken erlangen wir die Tugenden. Die Stärken können wir auf- und ausbauen.Es geht darum, die eigenen Stärken zu identifizieren und in möglichst vielen Lebensbereichen einzusetzen, um ein glückliches, zufriedenes und authentisches Leben zu leben. Es ist empfehlenswert, sich nicht allzusehr um seine Schwächen zu kümmern, ihnen nicht viel Aufmerksamkeit und damit auch Energie zu schenken. Das Respektieren von Unvollständigkeit ist ebenso wichtig. Viele Tugenden gibt es noch. Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Dankbarkeit, Milde und Güte usw. Die Frage ist, sind wir noch lernfähig, willens zu suchen, zu hören und neue Erkenntnis zu gewinnen, die wirklich etwas in unserem Leben verändert? Oder halten wir es mit den Entwicklungspsychologen, die uns zu verstehen geben, dass der Mensch sich in seinem Wesen und Charakter ab dem vierzigsten  Lebensjahr kaum mehr ändert und sich zunehmend kristallisiert? Ich werbe für einen anderen Lebensstil: In einem Büchlein, welches ich hervorragend finde lese ich (Herrigel, ZEN in der Kunst des Bogenschiessens): "Mit einer brennenden Kerze im Innern, andere anzünden, damit den  Geist der rechten Kunst von Herz zu Herz übertragen, damit sie licht werden." Wozu führt uns all das in unserem alltäglichen Leben? Wir erreichen zunehmend eine Durchlässigkeit. Durchlässigkeit für etwas Höheres. Wir können zu Menschen werden, denen anzumerken ist, dass nicht sie selbst der Nabel der Welt sein möchten, sondern sie für etwas Wichtigeres, Höheres, Edleres einstehen, etwas wahrhaft Erstrebenswertes, welches durch sie durchscheint. Menschen mit diesen Eigenschaften möchte ich als meine Lehrer. Einen Zustand anstreben, der nicht uns selbst ins Zentrum rückt, uns bewahrt vor brüderlichen Zickenkriegen, kleinkariertem Recht haben wollen, Verstrickungen in Detailfragen und unweigerlich folgenden Verletzungen anderer.  Die Suche nach diesen Dingen führt uns wiederholt in die Einsamkeit, gerade wenn Zweifel nagen, die Vielheit der Fragen uns zudeckt und wir uns wie Toren fühlen, unfähig, klein und unwissend. Diese Erfahrungen gehören zwingend dazu. Sie nicht zu scheuen, sie zuzulassen, gar willkommen zu heissen als Gefährten auf dem Weg ist wichtig. Tugendhaftigkeit verleiht uns Zuversicht. Wir tragen einen grösseren Plan im Herz als die Genugtuung endlich eine Strebe auf der Karriereleiter genommen zu haben im Beruf oder als Amtsinhaber der Loge.  Wir brauchen die Stärken, wir müssen sie entwickeln, denn sie sind der Grundstein für Entwicklung und Veränderung. Wir brauchen Visionen, eine Vorstellung dessen wie es neu und anders sein könnte. Im Idealfall agieren wir dann, wir wandeln uns aus freien Stücken. Sehr oft wir uns der Wandel jedoch scheinbar aufgezwungen, Angst vor Existentiellem oder Angst vor dem Wandel an und für sich treiben uns an und ermöglichen uns lediglich Veränderungen im Sinne einer Reaktion vorzunehmen. Wir können durch die Pflege und das Streben nach den Tugenden ein tieferes Mass an Erfüllung und Sinn erlangen. Nichts ist schlimmer als das eigene Leben und Tun als sinnlos erleben zu müssen. Sinn und Sinnhaftigkeit jedoch hat mit bei Sinnen sein zu tun, mit Wachheit und Anstrengung. Dieses Streben soll uns helfen mehr Differenziertheit  zu erlangen. Damit wird der Grundstein für wahre Toleranz gelegt. Diese äussert sich in der Folge nicht als ein Unbeteiligtsein oder einer laisser faire Haltung. Vielmehr ist es eine Toleranz der Grösse und der wahren Gelassenheit, die sich dennoch um Dinge wie Ungerechtigkeit und Unschönes schert. Wir werden wirklich fähig, Verschiedenheit zu akzeptieren, sie als Vielfalt zu schätzen, sie zu integrieren. Solches zu erreichen erachte ich als gelungenes Leben.   
Ehrw M v St, Würdige und geliebte Brr alle, Ich habe meine Pflicht getan. 

Br. C.S., 26.2.09